We are delighted to present a selection of previously unseen works by Alex Müller in our Gallery Cabinet, created between 2014 and 2017 as part of her Davos cycle.
During her studies, Alex Müller engaged deeply with the Expressionists as well as the Pre-Raphaelites. To her—as to most of us—Ernst Ludwig Kirchner first appeared as a painter, a figure oscillating between expressivity, construction, and existential self-questioning. It was only through in-depth research that she discovered his photographic work, particularly the diary-like photographs from Davos, in which landscape, studio, social circle, and her own work coexist with remarkable naturalness.
The presentation “Davos” showcases a selection of works created between 2014 and 2017, the result of an intensive, investigative exploration of Kirchner’s photographic estate. It marks a turning point in Alex Müller’s oeuvre, where biographical, art-historical, and formal questions converge in a particular way. Müller was less interested in the documentary content of the photographs than in their specific atmosphere: the fine tension between movement and stasis, and the quiet, almost fragile presence of a moment held still. In a radical formal decision, the series of small- and medium-format ink works initially concentrated solely on indigo and white. This deliberate self-restraint strips the motifs of narrative overlays and examines space, figure, and atmosphere in their purest essence. Thus, independent pictorial realities emerged—condensations of mood and time, in which Kirchner’s photographs serve merely as a catalyst, not as a template.
This initially monochrome phase of reduction eventually led to a renewed opening toward color, which unfolded during the creative process almost like a liberation. The painterly language sharpened by the indigo works culminated in a new colorism that is to be understood not as a return, but as a transformation. The dialogue with Kirchner remains ever-present in this expanded, contemporary visual language.
For Alex Müller, looking back at art history is neither a retrospective gaze nor a mere homage, but rather an understanding of the past as an active space for thought and imagery: “Precisely in the current situation, it seems essential to me not to quote or pay tribute to the past, but to understand it as an active space for thought and imagery. Our contemporary understanding of art arises from this productive tension between historical experience and present-day positioning. For me, the dialogue with Kirchner is not a retrospective look, but a form of continuation.”
Opening: Thursday, May 21, 5-8pm
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Wir freuen uns sehr, ab dem 21. Mai in unserem Gallery Cabinet eine Auswahl von noch nie gezeigten Werken von Alex Müller zu präsentieren, die zwischen 2014 und 2017 im Kontext ihres Davos-Zyklus entstanden sind.
Während ihres Studiums setzte sich Alex Müller intensiv mit den Expressionisten sowie den Präraffaeliten auseinander; Ernst Ludwig Kirchner begegnete ihr dabei zunächst – wie den meisten von uns – als Maler, als eine Figur, die zwischen Expressivität, Konstruktion und existenzieller Selbstbefragung oszilliert. Erst durch vertiefte Recherche stieß sie auf sein fotografisches Werk, insbesondere auf die tagebuchartigen Aufnahmen aus Davos, in denen Landschaft, Atelier, Freundeskreis und eigene Arbeit in einer bemerkenswerten Selbstverständlichkeit nebeneinanderstehen.
Die Präsentation „Davos“ zeigt eine Auswahl der zwischen 2014 und 2017 entstandenen Werke und das Ergebnis einer intensiven, forschenden Auseinandersetzung mit dem fotografischen Nachlass Kirchners. Es markiert dabei einen Wendepunkt in Alex Müllers Schaffen, an dem sich biografische, kunsthistorische und formale Fragestellungen in besonderer Weise bündeln. Alex Müller interessierte dabei weniger der dokumentarische Gehalt der Fotografien als vielmehr deren spezifische Atmosphäre: die feine Spannung zwischen Bewegung und Stillstand sowie die stille, beinahe fragile Präsenz des Innehaltens. In einer radikalen formalen Entscheidung konzentriert sich die Serie klein- und mittelformatiger Tuschearbeiten anfangs zunächst nur auf Indigo und Weiß. Diese bewusste Selbstbeschränkung löst die Motive von narrativen Überlagerungen und befragt Raum, Figur und Atmosphäre auf ihre reinste Essenz hin. So entstanden eigenständige Bildrealitäten – Verdichtungen von Stimmung und Zeit, in denen Kirchners Aufnahmen lediglich als Anlass, nicht als Vorlage fungieren.
Diese zunächst monochrome Phase der Reduktion führte schließlich zu einer erneuten Öffnung zur Farbe, die sich im Werkprozess beinahe wie eine Befreiung vollzog. Die durch die Indigo-Arbeiten geschärfte malerische Sprache mündete in eine neue Farbigkeit, die nicht als Rückkehr, sondern als Transformation zu verstehen ist. Der Dialog mit Kirchner bleibt in dieser erweiterten, zeitgenössischen Bildsprache stets spürbar.
Für Alex Müller ist die Rückbesinnung auf die Kunstgeschichte kein retrospektiver Blick oder eine bloße Hommage, sondern das Begreifen der Vergangenheit als aktiven Denk- und Bildraum: „Gerade in der gegenwärtigen Situation erscheint es mir wesentlich, die Vergangenheit nicht zu zitieren oder zu huldigen, sondern sie als aktiven Denk- und Bildraum zu begreifen. Unser heutiges Kunstverständnis entsteht aus dieser produktiven Spannung zwischen historischer Erfahrung und gegenwärtiger Positionierung. Der Dialog mit Kirchner ist für mich kein retrospektiver Blick, sondern eine Form der Weiterführung.“
Eröffnung: Donnerstag, 21. Mai, 17-20 Uhr